
Ein Projekt des Kunstraum Kreuzberg/Bethanien.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Backjumps-The Live Issue#1 (Flash Version)
Mit Backjumps – The Live Issue wurde eine in ihren internationalen Facetten bisher wenig präsentierte kulturelle Erscheinung in Berlin reflektiert: Street Art und die Weiterentwicklungen und interdisziplinären Schnittstellen von Aerosol-Kultur und HipHop.
Das Ziel - einem breitem Publikum zu zeigen, in welchen Verzweigungen und Variationen "Street Art" international gedacht, gelebt und weiterentwickelt wird – wurde mehr als erfüllt. Insgesamt rund 12.700 begeisterte BesucherInnen konnte die Ausstellung innerhalb der sechs Wochen zählen.
KünstlerInnen:
Akay & Adams/Stockholm, Akim & ZAST ONE/Berlin, ASH, Jay1, Skki-BBC/Paris-Kopenhagen, Banksy/London, Bob’s your uncle/Kopenhagen, Cakes/Prag, Delta INC/Amsterdam, Brad Downey & Darius Jones/New York, Erosie/Eindhoven, Faile/New York, freaks gallery/Kopenhagen HuskMitNavn/ Kopenhagen, Influenza/Rotterdam, Lokiss/Paris, LOST ART/São Paulo Machine/Amsterdam, MaisonAnti/Berlin, Maurer United Architects/Eindhoven-Maastricht Nomad & Miss Riel/Berlin, Nug & Pike/Stockholm, OBEY/Los Angeles, O’Clock/Paris PHOS4/Berlin, PIPS:lab/Amsterdam, 77/Berlin, Straight up/Kopenhagen, swoon:toyshop/New York, urban-art.info/Berlin, WK Interact/New York, Zedz INC/Leiden
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Die Berliner Akim uns ZAST ONE knüpfen an eine kompromisslose Old-School Tradition an und versuchen sie innovativ zu erweitern. Sie kultivieren ihre Schriftzeichen – manchmal sogar als 3-D Styropor-Plastiken. Bereits Anfang der 90er zogen sie durch die Strassen Berlins, um alles mit ihrem Namen zu markieren. Heute veranstalten sie Improvisationsevents unter dem Titel "Jazzstylecorner" und kleine Battles, bei denen sich der beste Writer beweisen muss. Für Backjumps – The Live Issue schlüpften sie in die Rolle von Kartenmeistern und kreierten einen riesiegen Stadtplan der während der Ausstellung mit Fotos von Straßenkunst belebt wurde.

BBC wurde 1983 von Ash, Jay1 und Skki in Paris gegründet. Sie benutzen diverse Medien, um ihre Message zu transportieren: Sprühdosen, Wände, T-Shirts, Aufkleber und später Videoleinwände und Neonröhren. Sie lassen sich vom modernen Ikonoklasmus inspirieren, bis hin zu omnipräsenten Slogans in Werbung und politischer Kampagnen. Ihre jüngsten Arbeiten haben nur auf den ersten Blick nicht mehr so viel Bezug zur Straße. Die Auseinandersetzung mit neuen Situationen schlägt sich in ihnen nieder, ebenso wie eine Weiterentwicklung des kreativen Prozesses. '"Zuviel Technologie tötet die Kreativität, zu viele Bilder die Vorstellungskraft. Träume wurden vielerorts durch virtuelle Realitäten ersetzt.

Banksy ist Meister der Flucht und des Wändebemalens. Mit seinen Stencils hat er das Erscheinungsbild des Londoner Stadtraums entscheidend verändert. Er bedient sich dabei oft der Ikonografie und Slogans der Macht. Durch seine meist unmissverständlichen Angriffe auf die öffentliche Ordnung, die in den Bildern erscheinen, zeigt er die Haltung, die ihn zu einem der provokantesten Künstlern auf seinem Gebiet gemacht hat. Unlike many of his contemporaries, the message embedded in Banksy´s paintings isn´t: look at me, but: look around you!. They are a wake up call to the unwittingly oppressed.
(Si Mitchell, Level Magazine)

Erosie has been active as a graffiti writer since 1993, and as a freelance illustrator since 2000. One lead to the other, both spheres influence each other up to today. References for his work are both structures coming from his graffiti backround (e.g. the name-game, ego and subculture, public space and illegality, etcetera) as well as structures from the field of illustration (visual clichés, artistic freedom vs. interference by the client, combination of text and typography, non-commital imagery versus content, etcetera). Step by step he tries to make use of these structures, to see through them or deny them in his quest of finding the essence in his visual language and content.

In Kollaboration mit den Graffitikünstlern Delta und Zedz wurden verschiedene Designs entwickelt, die eine volle architektonische Graffiti-Erfahrung möglich machen: INCONSTRUCT. Das Eindhovener Architektenprojekt MUA/ Marc und Nicole Maurer benutzt Proben, die nicht architektonischer Herkunft sind, aber eine räumliche Beziehung besitzen: Um eine Verbindung zwischen Architektur und der Graffiti-Kultur herzustellen, wollen wir eine wahre dreidimensionale Erweiterung von qualitativ hohen Graffiti-Pieces entwickeln. Wir hatten diese Idee, um die feindliche Stimmung zwischen Architekten und Graffitikünstlern zu beenden. Lasst uns konstruktiv sein und räumliches Graffiti zugänglich machen.

In den letzten acht Jahren hat der New Yorker Patrick Mc Neil mit seinem Faile NYC Kollektiv wahrscheinlich keine Großstadt dieser Erde unmarkiert gelassen. Seine Poster und Stencils bestechen durch eine perfektionistische Präzision und Motive, die oftmals dem Stil von 50er Jahre US-Comicsanglehnt sind. Mitlerweile kooperiert Mc Neil mit Fashion-Designern von comme garcon, Maharishi und Duffer of St. George.

Jeroen Jongeleens Projektname Influenza rekurriert auf seine Absicht den öffentlichen Raum als unerwünschte Störung des Alltäglichen zu gestalten und zu verändern. In seiner Arbeit befindet er sich in einem permanenten Krieg mit der Architektur und jeder Form von Außenwerbung, und deren Macht über den Gebrauch und den Blick auf den öffentlichen Raum. Er spielt mit ihren Codes und stört deren Hegemonie des Öffentlichen, durch das Hinzufügen, Entfernen und Ersetzen kleiner visueller Zeitbomben. Seit kurzem ist Jeroens Arbeit um das Moment der Interaktivität erweitert, in dem andere aktiv an seinen legalen und zuweilen auch illegalen Operationen teilhaben können.

Die Internet Media Group arbeitet mit dem beiläufigen Schwindel der Interaktivität, einem Mechanismus der Information und Desinformation und einiger unkontrollierter sozialer Ausdrucksformen und Übergänge. Das Internet ist ein Schlachtfeld mit aggressiven kommerziellen Interessen, kollektiver Zensur und einem sterilisierten Design in Co-Existenz mit einigen legalen und illegalen Porno-Bildern, einigen Hacker Crews und einigen neurotischen persönlichen Tagebüchern. Es handelt sich um eine konzentrierte Reflexion der Gesellschaft.

Ignacio Aronovich und Louise Chin portraitieren ausgewählte Bewohner São Paulos, ihr Verhältnis zur Stadt und zur Straße. Die Stadt liegt in einer rechtlichen Grauzone, alles ist möglich - vorausgesetzt, man kommt damit durch. Portraitfotos, Tonbandinterviews und Objekte, die von den Befragten erstellt werden, findet eine Annäherung statt. Außerdem werden die Portraitierten aufgefordert ihre Sicht der Stadt mit Einwegkameras zu dokumentieren.

Das niederländische Multimedia- Kollektiv Machine aus Amsterdam hat für Backjumps - The Live Issue eine ganze Rauminstallation mit dem schönen Titel "Sunday Morning" aufgebaut. In der Mitte des Raumes steht eine bieder wirkende Tafel. Die Wände sind mit weiß - rot gemusterter Tapete beklebt. Wer jedoch näher herantritt, entdeckt, dass die hübschen Muster auf dem Geschirr und auch die Muster der Tapete sich aus kleinen Bildern von Soldatengräbern, Gewehren, Helmen und Panzern zusammensetzen. Einen Blick hinter eine vermeintlich schöne Fassade werfen, war die Botschaft von Machine.

Maria Neumann: „Schulästhetik stützt sich auf die Symmetrie als Symbol
optisch-ästhetischer Perfektion. Für Mode ist dies nicht sinnvoll. Der Mensch ist nicht symmetrisch. Mode respektive Kleidung darf den Menschen nicht in Perfektion ersticken. Ich möchte probieren, Silhouetten in einer alternativen Ästhetik zu (er)schaffen, die Kleidung neue Formen geben sollen.“

Ziel der OBEY-Kampagne ist es, Sensibilität für die Umgebung jedes Einzelnen wieder zu beleben. Die OBEY Kampagne will Neugier wecken und kritische Auseinandersetzung sowohl mit der Kampagne selbst, als auch ihren Bezug zur Umgebung stimulieren. Durch die Irritation, die sich beim Betrachten von Werbeslogans oder Propaganda einstellt, die keinen ersichtlichen Zweck verfolgen, provoziert OBEY Auseinandersetzung und möglicherweise Frustration beim Betrachter. Er schärft damit die Wahrnehmung des Zuschauers und bildet seine Aufmerksamkeit für Details heraus. „The medium is the message“. Die Medien mit denen OBEY arbeitet sind hauptsächlich Sticker und Poster, seine Motive dürften zu den weltweit am meist verbreitetsten zählen.

Der französische Graffitikünstler o´clock ist als einer der furcht und kompromisslosesten Bomber in Europa bekannt. In der Ausstellung hat er Erfahrungen mit der Justiz verarbeitet, in dem er den Ausstellungsraum in ein Verhörzimmer verwandelte. Beweisstücke wie Spraydosen, Masken und Handschuhe liegen als Beweise gekennzeichnet in einem Regal. Beweisfotos mit "Tatbeständen" zieren die Wände und als doppeldeutige Warnung verkündet das rot -weisse Absperrbändern am

Die Multimedia-Künstlergruppe PIPS:lab aus Amsterdam repräsentiert die Schnittstelle von Graffiti und anderen Kunstrichtungen par excellence. Ihre Performance, bei der sie mit Taschenlampen die Luft "taggen", begeistert viele Writer und wächst in der Auseinandersetzung mit der Aerosol-Art.

Die New Yorker Künstlerin Swoon ist Teil des Toyshop Kollektivs, das sich die Demokratisierung des öffentlichen Raums durch kreative Praktiken der produktiven Beschädigung zum Ziel gemacht hat. Sie erkunden die Möglichkeiten von „angemessenem staatsbürgerlichen Verhalten“, indem sie alle zugänglichen Mittel aufwenden, um eine Stadt zu schaffen, die den kreativen Impuls aufwiegelt und den aufrührerischen Geist am Leben hält. In der Ausstellung wird das Projekt Indivisible Cities vorgestellt, bei dem es darum geht die aktive Partizipation
der Stadtbewohner an der Gestaltung des öffentlichen Raums zu initiieren und die daraus resultierenden visuellen und kulturellen Artikulationen zu dokumentieren.
www.wearechangeagent.com/swoon/

Der Bauleiter und Ausstellungsmacher Jürgen Grosse fotografiert seit Jahren Straßenkunst vorwiegend in Berlin, aber auch auf Reisen durch Deutschland und im Ausland. Diese Fotos sollen als Dokumentation gezeigt werden. Zusätzlich soll ein Stadtspaziergang mit Jürgen Grosse stattfinden. Die Urban-art.info Galerie ist die erste und einzige Strassenkunstgalerie Berlins. Dort werden Arbeiten von Akay und Adams/Stockholm, Brad Downey und Darius Jones, Brooklyn/New York und der freaks gallery/Kopenhagen gezeigt.
Zweiter Ausstellungsort: The Beauty is the Act
30. August bis 5.Oktober 2003, Urban-art.info, Brunnenstrasse 171, 10119 Berlin

Der französische Künstler WK Interact, der mittlerweile in New York lebt, ist inzwischen weit über die Street Art Szene bekannt. Seine großflächigen Wandbemalungen, sind international begehrt. WK Interact haucht seinen Figuren Leben ein. Sie vermitteln stets den Eindruck von Bewegung und Dynamität. Sie wirken als würden sie sich tatsächlich bewegen. Die Straßen der Großstadt, die auch niemals stillstehen, bezeichnet er als seine größte Inspirationsquelle. Statische Bilder zu malen, die dennoch Bewegung suggerieren sei sein Versuch diese Energie im Moment festzuhalten.
Am 22. August 2003 feierten rund 4.000 Gäste bis 9 Uhr morgens eine Aftershowparty, auf der im hauseigenen Veranstaltungsraum "Casino" die DJs Phono (Deichkind), Naughty (Gigolo rec.), Tyler Durdan (czes.) auflegten und als Special Show Act "The whitest boy alive" auftrat.
In der Outdoor Aera legte zuerst DJ Caynd (De:Bug) auf, dann kam Live-Musik von Leekon (Betabodega) und dazu gab es eine Videoshow auf einem 120 qm Screen von Black Data, abschließend legten die Modeselector DJs (bpitchcontrol) zu Visuals der Pfadfinderei auf.
Theroetisches Flanieren: Jeden Sonntag luden Street Art-AktivistInnen, KünstlerInnen oder JournalistInnen zu Stadtspaziergängen ein:
31. August: swoon:toyshop - warchwalk
7. September: Flanieren mit Nalk Ivique & Jo Irrläufer - Die Stadt spricht
14. September: Nr. 6 - Kontrolle
21. September: Neco Celik & Kazik führen durch Kreuzberg
28. September: Jochen Becker & Stephen Lanz - ESExpress
5. Oktober: Nomad & Miss Riel - Structures of Street Art, Spots, Ethics, Techniques
Die KünstlerInnen Swoon, PHOS4 und ZAST ONE boten zahlreiche Workshops an.
Swoon führte in die Techniken von Papierschnitten ein und im Laufe des Workshops konnte jedeR der rund 10 TeilnehmerInnen eigene stencils und cutouts herstellen. Phos4 und ZAST ONE führten insgesamt 4 Workshops zu Graffiti durch, die jeweils von Schulklassen aus Berlin besucht wurden.
Vom 4. bis 6. September 2003, wurden in teilweise ausverkauften Vorführungen im Eiszeit-Kino Dokumentarfilme gezeigt und Gespräche mit den FilmemacherInnen und KünstlerInnen angeboten.
4. September: Public Discourse (Doku Street Art New York)
5. September: Pointing (Writing Video der anderen Art)
6. September: Backjumps Video Mag 1.1 unreleased Material
Vorträge und Roundtable-Gespräche zu Legitimität und Illegitimität von Street Art, zum Einfluss von Street Art auf unterschiedliche Systeme (Kunstkontext, Design, Architektur, öffentlicher Raum), zu Einschluss- und Ausschlussmechanismen und zum Verhältnis Mainstream-Minderheiten mit: Akim & ZAST ONE (Writer, Berlin), Malte Friedrich (Soziologe, Berlin), Marc Maurer (MUA, Eindhoven-Maastricht), swoon:toyshop (Künstlerin, New York). Moderation: Harald Fricke (taz).